Ginseng Wurzel – Wirkung & Einsatz in der modernen Medizin

Ginseng, auch bekannt als das Panax Ginseng ist eine Wurzel aus dem asiatischen Raum. Der Name bedeutet übersetzt in etwa „Allheilmittel“. Ginseng liegt entweder roh vor, als weißer Ginseng der geschält und getrocknet wird, oder als roter fermentierter Ginseng, der nicht geschält und über Jahre hinweg gelagert wurde, wodurch sich mehr wirksame Substanzen ausbilden können.

Der rege Gebrauch dieser Wurzel in der fernöstlichen, traditionellen Medizin weckte auch das Interesse der medizinischen Forschung an der Wirksamkeit und den Substanzen aus der Ginseng Pflanze.

Wirkungsweise der Ginseng Wirkstoffe

Ginseng Wurzel Wirkung
Mehr als ein traditionelles Potenzmittel

Die am besten erforschten Ginseng Inhaltsstoffe sind die sogenannten Ginsenoside. Dazu gehören die Ginsenoside aus der Panaxadiol-Gruppe (Rb1, Rb2, Rb3, Rc, Rd) und der Panaxatriol-Gruppe wie Re, Rf, Rg1 und andere.

Ginsenoside haben keine sehr gezielte oder spezifische Wirkung. Sie binden häufig quer mehrere Proteine innerhalb der menschlichen Zellen, mit einer Vorliebe für Kanäle und Rezeptoren, die an der Oberfläche von Zellen des Nervensystems zur Informationsweiterleitung dienen. Zu diesen gehören mitunter ein Rezeptor (5HT3) des Glückshormons Serotonin, der beruhigend und anxiolytisch (angstlösend) wirkende Gamma-Aminobuttersäure (GABA) Rezeptor und der erregend wirkende Glutamat-Rezeptor.

Indem die Ginseng Wirkstoffe einen Einfluss auf diese Rezeptoren ausüben, wirken sie Übelkeit (5HT3) entgegen, führen zu einer inneren Entspannung (GABA) und wirken einer Überreizung oder Neurotoxizität entgegen durch die Unterdrückung des Glutamat Rezeptors.

Obwohl die Ginsenoside am besten erforscht wurden, stellte es sich heraus, dass wahrscheinlich eine ganz andere Substanz den Hauptanteil an der heilsamen Wirkung des Ginsengs ausmacht. Ginseng ist nämlich reich an der Substanz Gintonin, die sehr gezielt an den Lysophosphatidsäure-Rezeptor bindet. Dieser wiederum ist wichtig für den Lernprozess und wird auch bei Heilungsprozessen aktiviert. Es bedarf nur einer geringen Menge Gintonin um diesen Rezeptor zu aktivieren und Forschungsergebnisse zeigen, dass dies mitunter zur Freisetzung von Nervenwachstumsfaktoren führt, die den Lernprozess und die Gedächtnisleistung unterstützen.

Ginseng bei Demenz

Versuche im Tiermodell zeigen eine Interaktion von Ginseng Inhaltsstoffen mit dem Alzheimer Protein Aß und den daraus entstehenden Komplikationen wie Entzündungsreaktionen und dem Absterben von Gehirnzellen. Ein solches Ginsenosid regte über die Freisetzung des Nervenwachstumsfaktors NGF die Ausbildung von Verbindungen zwischen den Nervenzellen an. Die durch Alzheimer geschädigten Mäuse erfuhren so eine Regeneration des Nervensystems, die sogar noch nach dem Absetzen des Ginseng-Präparats erhalten blieb [1].

Wirkstoffe aus dem Ginseng hemmen auch zwei Enzyme, welche die nerventoxische Variante des Aß Alzheimerproteins produzieren. Wissenschaftler konnten zudem beobachten, dass Phagozyten (Fresszellen), die an der Beseitigung von Plaques beteiligt sind, in ihrer Funktion durch die Gabe von Ginseng unterstützt werden. Diese ganzen Mechanismen könnten daher zu einer nützlichen Wirkung von Ginseng bei Demenzpatienten beitragen.

In der klinischen Forschung sind die Ergebnisse jedoch nicht ganz eindeutig und beruhen auf lediglich zwei Studien, die von minderer Qualität sind. In diesen trug eine tägliche Dosis von 4-9 g Ginseng zu einer Besserung von Demenzpatienten, die bei kognitiven Tests besser abschnitten als die unbehandelten Teilnehmer [2].

Ginseng für mehr Gedächtnisleistung

Für gesunde Menschen, die sich für den Beruf oder schulische Aufgaben ein besseres Leistungsvermögen erhoffen, gehört Ginseng mit zum Repertoire von Hilfsmitteln.

Es liegen diverse Studien zu dieser Thematik vor. In der Regel wurden diese mit einer einmaligen Gabe von Ginseng Extrakten durchgeführt und die daraus schnell einsetzende Wirkung auf die kognitiven Leistungen analysiert. Nur wenige befassten sich mit einer durchgehenden Ginseng Einnahme.

In einer solchen Studie reichte eine Dosisspanne von 100 bis 400 mg aus um die Leistung bei Tests zu steigern und zwar insbesondere jener Aufgaben, die das Arbeitsgedächtnis beanspruchten. Somit scheint Ginseng jene Gehirnbereiche anzuregen, die für die Lösung neuartiger Aufgaben notwendig sind und stark mit der sogenannten fluiden Intelligenz im Zusammenhang stehen. Die geringste Dosis von 100 mg war dabei am effektivsten, denn sie führte zu einer inneren Entspannung bei den Teilnehmern und verbesserte die Reaktionszeiten, etwas was nicht mit der höheren Dosierung geschah [3].

Dennoch führte in einer anderen Studie mit einem anderen Extrakt der Einsatz einer geringen Dosis von 200 mg eher zu einer Verschlechterung der Rechenleistung bei mathematischen Aufgaben, während die höhere 400 mg Dosis die Rechenleistung der Teilnehmer verbesserte [4]. Dies zeigt auch, dass Ginseng Studien und Extrakte schwer untereinander vergleichbar sind.

In einem Versuch wurde die Kombination aus 75 mg des koffeinhaltigen Guarana zusammen mit 200 mg Ginseng auf ihre Wirksamkeit untersucht. Diese steigerte zwar die Aufmerksamkeitsspanne, aber senkte aufgrund des Koffeins die Anzahl der exakten Aufgabenlösungen. Beide Extrakte steigerten die Geschwindigkeit mit der die Aufgaben gelöst wurden [5].

Man kann daher sagen, dass Ginseng durchaus einen positiven Effekt auf das geistige Leistungsvermögen haben kann, es ist lediglich schwer abzuschätzen bei welcher Dosis und mit welcher Art von Extrakt dies am besten erzielt werden kann.

Ginseng als Potenzmittel

Die Ginseng Wurzel wird am häufigsten als Potenzmittel eingesetzt.

Eine umfangreiche Analyse sämtlicher 27 Studien zu dieser Thematik fand jedoch, dass nur ein Bruchteil der klinischen Forschung qualitätsmäßig halbwegs einer guten Forschungsmethodik gerecht wird. Die im Durchschnitt verwendete Dosierung lag zwischen 600 und 900 mg dreimal am Tag. Die Ginseng Einnahme führte bei Männern mit einer vorhandenen psychologisch- oder körperlich bedingten Impotenz zu einer spürbaren Besserung. Es wurde lediglich rotes Ginseng zu diesem Zweck eingesetzt [6].

Die gleiche Wurzel verbesserte bei Frauen nach den Wechseljahren das zuvor beeinträchtigte sexuelle Verlangen. Die eingesetzte Dosis lag bei 3 g täglich [7].

Letztendlich muss man sagen, dass die Wirksamkeit von Ginseng als Potenzmittel auf recht wackeligen Fakten beruht, wobei aber ein Trend erkennbar ist. Da es sich um ein natürliches Nahrungsergänzungsmittel handelt, ist es vielleicht als Alternative zu medikamentöser Behandlung einen Versuch wert.

Medizinische Literatur:

  1. Kim, H.J., P. Kim, and C.Y. Shin, A comprehensive review of the therapeutic and pharmacological effects of ginseng and ginsenosides in central nervous system. J Ginseng Res, 2013. 37(1): p. 8-29.
  2. Lee, S.T., et al., Panax ginseng enhances cognitive performance in Alzheimer disease. Alzheimer Dis Assoc Disord, 2008. 22(3): p. 222-6.
  3. Scholey, A., et al., Effects of American ginseng (Panax quinquefolius) on neurocognitive function: an acute, randomised, double-blind, placebo-controlled, crossover study. Psychopharmacology (Berl), 2010. 212(3): p. 345-56.
  4. Reay, J.L., A.B. Scholey, and D.O. Kennedy, Panax ginseng (G115) improves aspects of working memory performance and subjective ratings of calmness in healthy young adults. Hum Psychopharmacol, 2010. 25(6): p. 462-71.
  5. Kennedy, D.O., et al., Improved cognitive performance in human volunteers following administration of guarana (Paullinia cupana) extract: comparison and interaction with Panax ginseng. Pharmacol Biochem Behav, 2004. 79(3): p. 401-11.
  6. Jang, D.J., et al., Red ginseng for treating erectile dysfunction: a systematic review. Br J Clin Pharmacol, 2008. 66(4): p. 444-50.
  7. Oh, K.J., et al., Effects of Korean red ginseng on sexual arousal in menopausal women: placebo-controlled, double-blind crossover clinical study. J Sex Med, 2010. 7(4 Pt 1): p. 1469-77.

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